Aktuell Digitalisieren

Schöner Globus

Schöner-Globus

Der in Bamberg geborene Mathematiker, Geograph, Kartograph und Astronom Johannes Schöner (1477- 1547) konnte auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Nachdem er 1500 zum Priester geweiht wurde übernahm er mehrere Pfarstellen. 1523 wurde er wegen der Vernachlässigung des Chordienstes, sowie des Konkubinats in die fränkische Schweiz strafversetzt.

Mit Unterstützung durch Johann Seyler fertigte er später Erd- und Himmelsgloben in serienorientierter Technik, um diese kostengünstiger produzieren zu können. Ein Globus galt im 16 Jahrhundert als Statussymbol und repräsentierte Wissen und Macht. Das Exemplar der Anna Amalia Bibliothek in Weimar, welches wir digitalisiert haben, ist mit zwölf handkolorierten Holzschnittsegmenten beklebt. Der Maßstab beträgt 1:47.200.000. Die Kugel mit 27 cm Durchmesser ruht in einem schlichten Holzgestell, gefasst in einem geschmiedeten Eisenring. Der Nullmeridian läuft senkrecht durch die Kapverdischen Inseln. Sie besticht durch ihren Detailreichtum. Ein weiteres Exemplar eines Schöner-Globus von 1515 befindet sich im Historischen Museum der Stadt Frankfurt am Main. Schöner nutzte als Grundlage seines Globus die Weltkarte des Kartographen Martin Waldseemüller, welcher wiederum die Reiseberichte von Amerigo Vespucci genau studiert hat. Vespucci schrieb in seinen Berichten von „Mundus novus“ – also der neuen Welt. Waldseemüller benennt deshalb den Kontinent „America“. Und so ist der Schöner Globus einer der ersten, die den neuen Kontientent zeigen – allerdings noch in einer ganz anderen Ausprägung.

Es sind Details erkennbar, die man auf einem im frühen 16. Jahrhundert entstandenen Globus kaum vermuten würde, etwa die Skizze eines Elefanten an der Südspitze des afrikanischen Kontinents. Auffällig ist aus heutiger Sicht auch die Gestaltung der Antarktis. Schöner stellte sie noch als einen sumpfigen Kontinent dar, von Südamerika getrennt durch eine schmale Meerenge zwischen Atlantik und Pazifik.

In den 1820er Jahren holte Herzog Carl August (1757–1828) den Globus aus der Jenaer Bibliothek nach Weimar. Viele namhafte Gelehrte beschäftigten sich mit ihm, darunter auch Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und Alexander von Humboldt (1769-1859).

Unsere Aufgabe war schnell definiert: „Erstellen eines 3D-Modells samt Texturen des Schöner-Globus.“ Die Herausforderungen vor der wir standen lag darin, dass wir den Globus nicht am Stück digitalisieren konnten, weil immer Teile des Globus verdeckt waren. So liegen Äquator- und Meridianring über dem eigentlichen Globus. Ferner sollte sich das 3D-Modell später auch digital innerhalb der beiden Ringe drehen lassen. Mit Hilfe der Photogrammetrie haben wir die verschiedenen Elemente des Globus erfasst.

Die 3D-Spezialisten haben durch Verknüpfung der Punktwolken ein 3D-Modell erstellt und das Ergebnis lässt sich nicht nur sehen, sondern eben auch drehen. Wir sind stolz darauf diese Technologie immer weiter zu entwickeln und lernen selber auch mit jedem digitalisierten Model dazu.

Wenn Sie das Ergebnis sehen möchten – gerne. Bitte einfach hier klicken, dann öffnet sich der Globus in einem neuen Fenster.

Dieser Beitrag ist auch verfügbar auf: Englisch Französisch

Zitat Frank Bayerl: "Die digitale Erfassung des kulturellen Erbes ist bei uns deshalb genau in den richtigen Händen, weil wir, aus der „schwarzen Kunst“ kommend, mit Streifenlichtscanverfahren, Photogrammetrie, Farbmanagement, Datenbanken und der Präsentation der Assets professionell seit Jahrzehnten umgehen."