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Die Wallbüchse

Wallbüchse 3

Schmiede-, Guss- und Büchsenmeister und ihre Werke spiegeln die höchsten künstlerischen und technischen Fähigkeiten ihrer jeweiligen Gesellschaft und Epoche wider. Sie zeigen daher einen einzigartigen Aspekt von Kunstgeschichte und materieller Kultur. Eine besondere Gattung stellen die Wallbüchsen dar, die klassische Festungswaffen sind. Aus ihrer Bezeichnung geht bereits hervor, dass diese überdimensionierten Gewehre von den Festungswällen aus abgefeuert wurden. Je nach Baujahr können Wallbüchsen eine Gesamtlänge zwischen eineinhalb und dreieinhalb Metern aufweisen. Die noch im 17. Jahrhundert vorherrschende Annahme, dass die Länge des Laufes für die Reichweite entscheidend wäre, wurde in den folgenden beiden Jahrhunderten widerlegt. Die Reichweite solcher Wallbüchsen lag zwischen 500 und 700 Metern. Selbst auf diese Entfernung konnte der Waffentyp noch leichte Deckung durchschlagen. Die starke Pulverladung, kombiniert mit dem hohen Gewicht der Kugel, gab dem Projektil eine Durchschlagskraft, die zwei bis drei Mal höher als diejenige gewöhnlicher Infanteriegewehre war. Größe und Gewicht der Wallbüchsen ließen einen freihändigen Gebrauch nicht zu. In der Machbarkeitsstudie wurde sich an einer neupreußischen Wallbüchse aus Potsdam aus den Jahren 1815-1819, die die Ausstattung der jungen preußischen Garnison der Festung Luxemburg repräsentiert, probiert.

Waffen sind dreidimensionale Objekte. Damit Besucher sie adäquat betrachten können, müssen diese Waffen allansichtig ausgestellt sein. Das Schloss, der Abzug, der Lauf und der gesamte Mechanismus solcher Objekte erschließen sich dem Betrachter allerdings nur in der Manipulation der Wallbüchsen. Ein solches Hantieren steht für Museumsbesucher außer Frage. Dies gilt in verschärfter Weise für Waffen. Daher bietet sich eine dreidimensionale Erfassung und Ausstellung im virtuellen Raum an, die es dem Betrachter ermöglicht, das Objekt zu erkunden und selbst die Maserung der verwendeten Hölzer und kleinste Einkerbungen im Metall zu entdecken.

Die dreidimensionale Digitalisierung von Wallbüchsen stellt eine doppelte Herausforderung dar und es kann nur durch einen Test sichergestellt werden, ob diese überwunden werden kann. Es gilt daher herauszufinden, inwiefern die Spezialsoftware mit der Geometrie einer Wallbüchse (langer schmaler Lauf) umgehen kann. Außerdem haben frühere Digitalisierungsversuche gezeigt, dass Metalloberflächen recht schwierig zu verarbeiten und darzustellen sind.

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Dieser Beitrag wurde vom Chargé de mission Dr. Ralph Lange und Gilles Zeimet vom Nationalmuseum für Geschichte und Kunst Luxemburg (MNHA) / Dokumentationszentrum zur Festung Luxemburg (CDF) für uns geschrieben.